(fast) Spielzeugfrei (Teil 1)
Der Start?
Unsere Große (6,5 Jahre) ist erst vor knapp sechs Monaten in ihr neues, deutlich größeres Kinderzimmer gezogen. Genug Stauraum für alle Spielsachen, alles ist einfach weg zu räumen. Trotzdem ist es viel. Sehr viel. Ich bin es leid, jeden Tag Unmengen an Playmobil und Co. in Kisten und Schubladen zu schmeißen, weil Madame dazu keine Lust hat (ewige Diskussion) oder es unbedingt noch alles stehen lassen will, weil sie ja mit ALLEM noch spielt. Irgendwann.
Und da ich mich mehr und mehr mit dem Thema Unordnung, Überfluss und auch Spielzeugfrei beschäftige, wage ich den Vorstoß. Ich frage sie nach einem erneuten Aufräumstreit (sie wollte gleich aufräumen, ich war aber schneller und habe zu viel weggeräumt), ob wir nicht mal alle Spielsachen aus ihrem Zimmer für eine Woche wegräumen wollen, und sie stattdessen einen Karton und Filzstifte in ihr Zimmer bekommt. Sie ist sofort einverstanden. Große Kartons sind eh sehr beliebt, und Filzstifte im Zimmer etwas ganz Besonderes. Das ist ansonsten nämlich tabu. Genaugenommen: alle Stifte. Ich vertraue ihr zwar total, was das angeht, aber ihrem kleinen Bruder leider null. Mit knapp 2 Jahren ist einfach nichts davor sicher, angemalt zu werden.
Ich bin erstaunt
Kind 1 ist also einverstanden. Kind 2 weiß von nichts, wird aber auch nicht gefragt. Natürlich muss er fairerweise mitziehen. Aber er spielt eh mit allem (auspacken, rumschmeißen geht mit ALLEM). Da Kind 1 leicht erkältet ist und mir kurz vorher schon beim Abendbrot gesagt hat, dass sie jetzt alleine nach oben geht zur Toilette, Zähne putzen will, noch kurz aufräumen und sich dann umziehen will, bin ich skeptisch. Denn ich glaube so ein bisschen an Fieberwahn. Doch anscheinend geht es ihr gut genug und sie meint es ernst.
Am nächsten Tag sehe ich den Plan schon direkt zerplatzen, weil sie in der Nacht so viel husten musste, dass sie heute nicht zum Kindergarten geht. Doch siehe da, sie will es trotzdem. Nachdem wir ihren Bruder zum Kindergarten gebracht haben, will ich erst noch in Ruhe frühstücken, ich bin nämlich zu spät aufgestanden. Sie will solange in ihrem Zimmer spielen gehen. Ich will sie testen, und frage: “Willst du noch kurz mit deinen Sachen spielen, bevor wir gleich alles wegräumen?” Und sie sagt: “Ja genau.”.
OK!
Kurze Erklärung zum Grundgedanken
Bevor ich weiter berichte, muss ich kurz ein bisschen etwas erklären. Spielzeugfrei heißt ja eigentlich, dass die Kinder überhaupt kein Spielzeug bekommen. Natürlich spielen sie trotzdem, das liegt in ihrer Natur. Nur eben mit Dingen, die um sie herum eh vorkommen. Wenn man das Experiment ganz genau nimmt, dann müsste man neben Spielzeug auch Spiele und Bücher entfernen. Denn die Kinder sollen kreativ werden, durch die notwendige Langeweile auf neue Ideen kommen. Langeweile überhaupt aushalten lernen. Irgendwie denke ich aber nicht, dass es für uns funktionieren würde. Ich will es auch nicht. Mir geht es mehr darum, aus diesem Wust an Zeugs zu entkommen und herauszufinden, was den Kindern wirklich, wirklich wichtig ist. Und um zu sehen, wie sie spielen können, wenn sie nicht ständig zwischen verschiedenen Dingen hin und her springen. Thema Ausdauer.
Da unsere Große schon immer leidenschaftlich gerne (und ausdauernd) Bücher anschaut, lasse ich sie ihr. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen schon einige aus dem Schrank entfernt, der noch immer sehr voll ist, aber das ist wohl ein anderes Projekt. Und da sie ständig (während der Corona-Zeit noch viel mehr) Hörspiele und Musik hört, lasse ich ihr auch die. Sie hat eine Toniebox und eine Alexa. Letztere ist im letzten halben Jahr sehr oft genutzt worden. Darauf hört sie dann hauptsächlich Hörspiele zu TV-Serien (die sie vielleicht sogar auch mal gesehen hat) oder ihre 2-4 Lieblingslieder rauf und runter.
Hier geht es zum Erfahrungsbericht der ersten Woche: (fast) Spielzeugfrei (Teil 2)
