(fast) Spielzeugfrei (Teil 2)
Hier geht es zur Einleitung des Experimentes: (fast) Spielzeugfrei (Teil 1)
Tag 1 – Mittwoch
Ich darf meine Frühstückspause nicht mal in Ruhe ausnutzen, da kommt nach einer Weile schon aus ihrem Zimmer der Ruf: “Mama kommst du jetzt!” Es hilft ja alles nichts, das Kind meint es wirklich ernst. Also hole ich alles an Kisten, was ich finden kann, und wir fangen an, alle Spielzeuge einzuräumen: die Spielküche, das Duplo, das Lego, sehr viel Playmobil, Verkleidungssachen, ihre Paw Patrol Figuren, das große Puppenhaus, die Barbies und Pferde, Puppen & Kuscheltiere, Schleich Tiere & diverses Geraffel, alle Spiele und Puzzles, die Murmelbahn, die Magformers, den Arztkoffer, und alles was wir noch so finden. Kind 1 nennt es: “Umzug spielen”. Sie ist ganz euphorisch! Sie kann es kaum erwarten, den Karton zu bekommen
Sie darf behalten: Ihre vier liebsten Kuscheltiere, das Wobble Board, das Bobby Car und ihr Tipi. In unserem Schlafzimmer steht noch so eine Spielschüssel, ein Big Cosy, das gehört ihrem Bruder, das darf auch bleiben. Er behält noch eine Puppe und zwei Kuscheltiere, die interessieren ihn allerdings generell eher wenig. Das ist alles in der obersten Etage.
Im Wohnzimmer haben wir allerdings noch mehr Spielzeug, da lasse ich zwei Murmelbahnen stehen, einen Stapelturm und so ein Jenga Spiel mit bunten Steinen, das die große einmal gespielt und dann sofort zweckentfremdet hat für freies Spiel. Hier brauche ich einfach auch mal die Möglichkeit, den Kindern was zum Spielen vorzusetzen, wenn ich mal kurz z.B. in der Küche was arbeiten muss. Ich bin mir nicht sicher, wie der Kleine reagieren wird, und wie lange ich das aushalte, wenn er mir die Bude auseinander nimmt.
Tag 2 – Donnerstag
Am nächsten Tag bleibt die Große auch noch krank zuhause (wobei es ihr nicht schlecht geht), noch vor 9 Uhr muss ich ihr eine Erweiterung (einen leider sehr kleinen Turm) an ihren Karton bauen und einen Briefkasten (eine alte Taschentuchzupfbox). Ich soll ihr auch noch eine Klingel bauen, da sie gar nicht weiß, wie sie die basteln soll, doch ich sage ihr, dass ihr schon etwas einfallen wird. Und so lasse ich sie mit der Herausforderung alleine, weiß aber, dass sie außer zu Spielen auch viel in ihrem Zimmer sitzt, sich Bücher anschaut und Hörspiele hört. Das hat sie schon immer gemacht. Doch über den Tag verteilt ist sie bestimmt 2-3 Stunden mit Basteln beschäftigt. Später muss ich dann schauen kommen, die Klingel ist nämlich fertig und echt super geworden! Wir sind heute auch wieder länger im Garten, nachmittags mit Bruder und Papa.
Tag 3 – Freitag
Kind 1 ist immer noch krank, es geht ihr zwar recht gut, aber für den Kindergarten reicht es noch nicht. Kind 2 ist nach wie vor fit und wir bringen ihn zur Krippe. Danach muss ich sofort wieder mit ins Kinderzimmer kommen. Heute wird der nächste Pappkarton in ein kleines Auto verwandelt. Inklusive Lenkrad und Nummernschilder. Das Ganze ist so ein bisschen eine Kooperation: beide bringen wir Ideen mit ein. Wobei ich schon versuche, dass sie sich so viel wie möglich selbst einfallen lässt, ob es nur neue Ideen sind oder es einfach um die Umsetzung geht. Denn Ziel der ganzen Aktion ist ja nicht, dass die Hütte möglichst schnell fertig wird, sondern dass sie sich damit beschäftigen kann. Im Großen und Ganzen klappt das aber ganz gut.
Apropos groß: das Kind ist zu groß für die existierende Hütte. Selbst im aufgebauten Turm kann sie nicht richtig stehen und kommt auch kaum rein. Über eine Nachbarschafts App komme ich aber an zwei wirklich große Kartons, die ich meinen Mann noch am selben Abend abholen lassen. Morgen fangen wir dann noch mal neu an in größer.
Gestern und heute wollte das Kind mal wieder Fernsehen. Ich glaube aber nicht, dass es daran liegt, dass sie kein Spielzeug mehr in ihrem Zimmer hat. In der Woche schaut sie sonst nie fern, doch wenn sie krank ist, machen wir Ausnahmen. Es bleibt also etwas Besonderes für sie.
Tag 4 – Samstag
Nach dem Frühstück kann sie es wieder kaum erwarten, dass wir endlich anfangen und die neue Hütte aufbauen. Diesmal auch mit Papas Hilfe. Wieder mit Briefkasten und Klingel, und ein paar Fenster müssen auch noch rein. An denen hat der Kleine besonders viel Spaß. Durch gucken, auf- und zumachen. Bis jetzt muss ich sagen, das Bisschen, was wir an Spielzeug oder ein anderen Sachen zum Spielen noch da haben, reicht völlig aus. Wobei ich schon Respekt vor dem Wochenende habe, und heute regnet es auch noch den ganzen Tag.
Doch auch heute wird nicht nach weiterem Spielzeug gefragt.
Tag 5 – Sonntag
Gestern und heute war wieder völlig ausreichend, was da ist. Töchterchen spielt aber auch immer mal wieder mit Fingern, Besteck, Glassteinen. Heute mussten die Glassteine für Mutter, Vater, Kind herhalten. Ohne Probleme. Und ihn ihrem Zimmer sind die Kuscheltiere mit ins Haus gezogen, sie hat mit dem Papa noch ein bisschen gebastelt.
Sie ist SO stolz auf ihr Häuschen, dass sie es kaum erwarten kann, es endlich Oma und Opa zu zeigen, die heute aus dem Urlaub zurück kommen. Irgendwie schaffen wir es den Nachmittag über nicht, aber abends müssen sie dann noch schnell gucken kommen, sonst hätte sie nicht ruhig ins Bett gehen können. Die beiden wussten zwar schon Bescheid, sind aber doch verwundert, dass wirklich gar kein klassisches Spielzeug mehr im Zimmer ist.
Eine Freundin erzählte mir heute, dass sie nach unserem Gespräch neulich über dieses Experiment nochmal nachgedacht hat. Sie hat festgestellt, dass ihre Tochter im selben Alter auch nur wenig mit den meisten Sachen spielt. Sie sind viel draußen, im Zimmer wird viel gemalt. Vielleicht probieren sie es ja auch demnächst mal aus. Ich bin gespannt.
Tag 6 – Montag
Die Große darf heute wieder in den Kindergarten, WILL aber gar nicht so richtig. Doch “Ich will in meinem Zimmer spielen” zählt nicht als Ausrede. Und dort gefällt es ihr ja auch gut. Doch zuhause sind wir gar nicht so lange im Garten, wo sich die ganze Familie bei halbwegs gutem Wetter eigentlich jeden Nachmittag aufhält, da zieht es sie schon wieder in ihr Zimmer.
Abends schlage ich ihr vor, die Alexa auch mal für eine Woche weg zu packen, im Austausch bekommt sie von mir einen neuen Tonie (den ich ihr eh schon längst geben wollte). Denn sie hört ECHT VIELE Hörspiele da drauf. Und wenig abwechslungsreich. Momentan viel “Mia & Me” und “Robin Hood”. Die Tonies werden nur noch selten rausgeholt, und die sind so viel kreativer (und waren so teuer!). Ihre Antwort: “Lieber zwei … Wochen.” Aber auch hier fangen wir mit einer an.
Tag 7 – Dienstag
Der letzte Tag der Experimentwoche ist angebrochen. Das Playmobil ist inzwischen wieder sortiert. Sobald die Nachfrage kommt, kann sie wieder komplette Sachen bekommen. Doch es scheint so, als ob das noch eine Weile dauert.
